Birgit Weyhe

PREISTRÄGERIN 2015

MIT "MADGERMANES"

"In "Madgermanes" erzählt Birgit Weyhe von den Erfahrungen mosambikanischer Vertragsarbeiter in der DDR der achtziger Jahre. Damit dreht sie die übliche Perspektive eines deutschen Blicks auf die Welt um und porträtiert zugleich einen Staat vor dessen Untergang. Die durch Gespräche mit ehemaligen Vertragsarbeitern recherchierten Fakten werden von Birgit Weyhe derart subtil mit Erinnerungsobjekten und allegorischen Motiven angereichert, dass ein Comic im Entstehen ist, der in seiner Bild- und Erzählsprache selbst die Grenzen zwischen afrikanischer und europäischer Kultur überschreitet."


- Andreas Platthaus -

Birgit Weyhe wurde 1969 in München geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit in Ostafrika und studierte Literatur und Geschichte in Konstanz und Hamburg. 1997 erhielt sie ihren Magister Artium. An der Hamburger Universität für Angewandte Wissenschaften begann sie 2002 ihr Studium der Illustration. Als Studentin gewann sie 2007 den 2. Platz beim Fumetto Wettbewerb in Luzern und 2009 den 1. Platz beim Wettbewerb „Zukunft Europa“ des NextComic Festival Linz. Seit ihrem Diplom zu autobiographischem Erzählen im Comic, arbeitet sie als freie Illustratorin und Comic-Zeichnerin. Seit 2012 unterrichtet sie als Gastdozentin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Sie erhielt auf dem Comic-Salon Erlangen 2016 für "Madgermanes" den Max und Moritz-Preis. Sie lebt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Partner in Hamburg.

Die Finalisten für den Comicbuchpreis 2015

Neben der Preisträgerin würdigt die Jury außerdem neun Finalisten. Die so ausgewählten Künstler erhalten bei der Preisverleihung jeweils eine Urkunde und eine Skulptur.

Anke Feuchtenberger

​"Ein deutsches Tier im deutschen Wald"

​"Ein deutsches Tier im deutschen Wald"

von Anke Feuchtenberger

"Verheißungsvoll, unheimlich: Die Geschichten um Kerstin und Effe Erre scheinen aus dem Waldgestrüpp und den Tierwelten hervorzubrechen, die sich in den vorgelegten Seiten immer wieder in den Vordergrund drängen; Hier ist ein eindrucksvolles Werk im Entstehen."

- Dr. Brigitte Helbling -

Robert Deutsch

"Alan Turing"

"Alan Turing"

von Robert Deutsch

"In kunstvollen, die 1950er Jahre evozierenden Acrylbildern nähert sich der Illustrator Robert Deutsch der Biografie des britischen Mathematikers und Informatik-Pioniers Alan Turing. Eine ausgefeilte Seitenarchitektur vermittelt auf spielerisch anmutende und doch komplexe Weise die skurrilen Seiten von Turings Persönlichkeit ebenso wie die tragischen Aspekte seines Lebens als Homosexueller in einer Zeit, als dies in Großbritannien strafbar war."

- Lars von Törne -

Hamed Eshrat

​"Venustransit"

​"Venustransit"

von Hamed Eshrat

"Dieser Comic erzählt eine banale Geschichte: der Protagonist Ben ist unzufrieden mit seiner Berufssituation, am liebsten möchte er nur zeichnen. Dazu verlässt ihn im Lauf der Geschichte seine Freundin. Doch wie Hamed Eshrat das erzählt, macht es aus. Mit virtuosem und treffendem Strich lässt er die Bilder tanzen, ohne dass diese zum Selbstzweck werden. Sie stehen vorbehaltlos im Dienste der Narration, so dass man den Comic nicht mehr aus der Hand geben will, bis man ihn zu Ende gelesen hat."

- David Basler -

Jul Gordon

"Im Park"

"Im Park"

von Jul Gordon

"Eine exzentrische, herrlich trashige Geschichte, eine feine und ungewöhnliche Art, sie in Bilder umzusetzen: Skizzen und Storyboard erzählen von einem Comic-Potential, dessen baldige Fertigstellung unbedingt herbeizuwünschen ist."

- Dr. Brigitte Helbling -

Lea Maria Heinrich

​"Lucky Boy"

​"Lucky Boy"

von Lea Maria Heinrich

"Die Leipziger Zeichnerin Lea Maria Heinrich hat mit "Lucky Boy" eine Gefängnisgeschichte vorgelegt, in der ausführlich mit Rückblenden gearbeitet wird. Ihre Kenntnisse des Justizvollzugs basieren auf Besuchen entsprechender Einrichtungen. Der Zeichenstil - klar und auf wenige Farbtöne beschränkt - ist ausgesprochen individuell und prägnant, die Seitenarchitektur abwechslungsreich und dennoch klar."

- Professor Dr. Frank Druffner -


Nienke Klöffer

"Ein tugendhafter Kopf"

"Ein tugendhafter Kopf"

von Nienke Klöffer

„Nienke Klöffers Debüt ist erstaunlich, denn in "Ein tugendhafter Kopf" erzählt sie das letzte Jahr im Leben des französischen Revolutionärs Robespierre konsequent aus dessen Perspektive. Das heißt, wir als Leser betrachten die dramatischen Ereignisse mit Robespierres Augen, und nur wenn einmal ein Spiegel ins Bild kommt, sehen wir auch ihn selbst. Durch stets gleichgroße Panels trägt Nienke Klöffer zusätzlich dieser streng subjektiven Erzählweise Rechnung.“

- Andreas Platthaus -

René Rogge

​"Plus minus Null"

​"Plus minus Null"

von René Rogge

"René Rogge fängt in seiner Graphic Novel "Plus minus null" die Müdigkeit und Lethargie der gegenwärtigen Mittzwanzigergeneration ein. In klarer Formsprache thematisiert er die Verlorenheit einer Generation, die zwischen dem Verlust von Ideologien, dem Überangebot von Möglichkeiten und allseitiger familiärer Unterstützung und Förderung kaum einen Weg aus der Passivität findet. Die auf diese Weise thematisierte Strukturlosigkeit der Generation findet dabei ihr Gegenüber in einer zeichnerisch bestechend strengen und reduzierten Struktur."

- Dr. Stefanie Stegmann -

Schwarwel

​"Seelenfresser - Hoffnung"

​"Seelenfresser - Hoffnung"

von Schwarwel

"„Hoffnung“ ist das dritte Buch der als Tetralogie angelegten Reihe „Seelenfresser“. Der Leipziger Comicautor und Trickfilmer Schwarwel führt uns tief in den deutschen Osten, tief in den Seelenkosmos von Trucker Hardy, seiner labilen Frau Nova, seiner Geliebten Babsi sowie den Pennbrüdern Psycho-Peter, Klausi und Panzermeyer. Anarchische Kraft trifft auf künstlerische Virtuosität - Comic in Hochform."

- Dr. Florian Höllerer -

Ji Hyun Yu

"Candide oder der Optimismus, Voltaire"

"Candide oder der Optimismus, Voltaire"

von Ji Hyun Yu

"Voltaires 'Candide' ist einer der großen Klassiker der Weltliteratur. Leichtfüßig, witzig und zugleich voller philosophischer Abgründe. Es gehört schon viel Chuzpe dazu, sich so ein Werk für eine Comic-Adaption vorzunehmen. Ji Hyun Yu übertrifft dabei alle Erwartungen. Ein Comic, der vor innovativen Ideen nur so sprüht und doch etwas ist, was von großer Kunst zeugt und Voltaire voll gerecht wird: ein kurzweilig-tiefschürfendes Lesevergnügen."

- Dr. Thomas von Steinaecker -

Preisverleihung 2015

Der Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung geht an den Start

Preisverleihung an Birgit Weyhe für "Madgermanes"

Für ihren Band „Madgermanes“ erhielt Birgit Weyhe am 4. Mai 2015 den Comicbuchpreis der Berthold Leibinger Stiftung.  Die Hamburger Autorin und Zeichnerin ist damit die erste Preisträgerin des Comicbuchpreises, der jedes Jahr verliehen wird. Der Siegerband erschien 2016 im Avant-Verlag.  Mit dem Preis zeichnet die Berthold Leibinger Stiftung  einen hervorragenden, unveröffentlichten, deutschsprachigen Comic aus. Mit ihrem Literaturpreis, der mit 15.000 EUR dotiert ist, fördert die Berthold Leibinger Stiftung eine Kunstform, die es in Deutschland schwer hat. Eine Ausstellung im Stuttgarter Literaturhaus zeigt die Arbeit Birgit Weyhes an „Madgermanes“ und zahlreiche weitere Exponate. Die Schau ist als Wanderausstellung konzipiert und wird im Anschluss unter anderem im Literarischen Colloquium in Berlin gezeigt.

Fotos

15 Bilder

Erste Verleihung des Comicbuchpreises der Berthold Leibinger Stiftung am 4. Mai 2015