Stiftung

Der Gründer unserer Stiftung ist verstorben

Am 16. Oktober 2018 verstarb Berthold Leibinger im Alter von 87 Jahren in Stuttgart.

Als er 1992 die Berthold Leibinger Stiftung ins Leben rief, gab er ihr vier Stiftungszwecke. Seinen persönlichen Leidenschaften entsprechend waren dies Wissenschaft, Kultur, Kirche und Soziales. Berthold Leibinger verstand sich als engagierter Mäzen. Das galt für alle Stiftungsbereiche, also für Literatur, Musik und Soziales genauso wie für Kirche und Wissenschaft.

Als innovativer Ingenieur und erfolgreicher Unternehmer stiftete er im Jahr 2000 den Berthold Leibinger Innovationspreis, mit dem die Stiftung alle zwei Jahre herausragende Innovationen auf dem Gebiet der Lasertechnologie auszeichnet. Im Jahr 2006 folgte der Berthold Leibinger Zukunftspreis, der für Meilensteine in der Entwicklung dieser Technologie vergeben wird. Beide Preise im Stiftungsgebiet Wissenschaft sind mit insgesamt 150.000 Euro dotiert. Für Berthold Leibinger war die Technik immer auch ein Teil der Kultur. Aus diesem Anliegen Leibingers entstand eine Stiftungsprofessur der Berthold Leibinger Stiftung an der Universität Stuttgart zum Thema Wirkungsgeschichte der Technik. Auch in der medizinischen Forschung engagierte er sich zuletzt: mit insgesamt sechs Millionen Euro stattet die Stiftung die drei Abteilungen Nephrologie, Hämatologie und Kardiologie am Robert Bosch Krankenhaus in Stuttgart aus.

Das kulturelle Leben war ihm unverzichtbar. Er verstand sich als aktiver Förderer und wirkte in zahlreichen Institutionen mit wie zum Beispiel dem Deutschen Literaturarchiv in Marbach, der Internationalen Bachakademie, der Internationalen-Hugo-Wolf-Akademie und der Akademie für gesprochenes Wort. Für viele kulturelle Projekte war er ein unermüdlicher Spendensammler, und es gelang ihm, zahlreiche Akteure aus ganz unterschiedlichen Bereichen für kulturelle Zwecke zu gewinnen.

Berthold Leibingers Liebe zu Literatur und Musik haben die Aktivitäten der Stiftung auf kulturellem Gebiet geprägt. Sein Qualitätssinn, seine Neugierde und seine Offenheit bewegten den Stifter auch auf diesem Gebiet zur Innovation. 2014 lobte die Stiftung erstmals den Comicbuchpreis aus, mit dem jährlich ein noch unveröffentlichter Comic in deutscher Sprache ausgezeichnet wird – ein Beitrag zur Förderung dieses spannenden literarischen Genres. Musikalisch galt seine Liebe der Musik Johann Sebastian Bachs und dem Kunstlied.

Die Berthold Leibinger Stiftung unterstützt aktuell den Erwerb des Thomas Mann House in Kalifornien, von wo aus der Literaturnobelpreisträger versucht hatte, die deutsche Geschichte aus dem Exil heraus zu beeinflussen. An diesem Ort sollen die transatlantischen Beziehungen gestärkt und lebendig gehalten werden.

Im kirchlichen Fördergebiet unterstützt die Stiftung Kirchenmusik, sie ist zudem auf dem Gebiet der Kirchenrenovierung aktiv. Im sozialen Bereich fördert sie das Stuttgarter Hospiz, die von Resozialisierung von Straffälligen sowie Rehabilitation von Psychiatriepatienten.

In seine Stiftung hat Berthold Leibinger über die Jahre mehr als 10 Millionen Euro aus seinem privaten Vermögen eingebracht und sie darüber hinaus mit einem Anteil in Höhe von fünf Prozent an der Trumpf GmbH + Co. KG ausgestattet. Damit steht der Name Berthold Leibingers auch über seinen Tod hinaus für die aktive Förderung der Stiftungszwecke.

Die Berthold Leibinger Stiftung hat seit ihrer Gründung bis Juli 2018 mehr als 17 Millionen Euro in Fördervorhaben investiert. Mehr als 7  Millionen davon flossen in wissenschaftliche und 7,7 in kulturelle Förderprojekte, 1,5 Millionen in kirchliche und knapp 1 Million in soziale Vorhaben.

Berthold Leibinger war ein wissbegieriger Mensch, er meldete zahlreiche Patente an, zuletzt im Jahr 2004, im Alter von 73 Jahren. Im Jahr 2014 wurde Berthold Leibinger mit 84 Jahren an der Technischen Universität Wien promoviert. Sein Thema: „Die Entwicklung der Werkzeugindustrien in Deutschland, Japan und USA – eine vergleichende Analyse sozialer, struktureller, wissenschaftspolitischer und globaler Einflussfaktoren“.

Berthold Leibinger hat über Jahrzehnte die wirtschaftliche und technische Entwicklung in Deutschland mitgestaltet. Er hat die Internationalisierung des Mittelstandes vorangetrieben und war ein gefragter Berater der Politik. Er bekleidete zahlreiche Ämter in der Wirtschaft. So war er Präsident der Industrie- und Handelskammer Mittlerer Neckar in Stuttgart, Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, Vorsitzender des Beraterkreises Innovationsforum Baden-Württemberg, Mitglied des Präsidiums des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und Vorsitzender des Innovationsbeirats der Landesregierung Baden-Württemberg. In den Aufsichtsräten u.a. von BASF, der Deutschen Bank und von BMW brachte er sein Wissen ein. 

1980 wurde Berthold Leibinger mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet, 2006 erhielt er das Große Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Das Land Baden-Württemberg ehrte ihn im Jahr 2000 mit der Großen Staufermedaille in Gold. Weitere Auszeichnungen waren 2003 der Preis Soziale Marktwirtschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung, 2005 der Werner-von-Siemens-Ring, 2008 der Deutsche Gründerpreis der Start-up-Initiative (Kategorie Lebenswerk), 2011 der Arthur L. Schawlow Award, 2013 der Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums Berlin und 2014 der Aachener Ingenieurspreis. 2016 erhielt er den Orden der Aufgehenden Sonne am Halsband, goldene Strahlen von der japanischen Regierung.

Am 26. November 1930 in einem kunstsinnigen Stuttgarter Elternhaus geboren, begann Berthold Leibinger nach dem Krieg eine Lehre zum Chirurgie-Mechaniker in der Fabrik seines Onkels. Nach dem Abitur im Jahr 1950 und dem Beginn einer Mechaniker-Lehre bei Trumpf wurde er 1951 zum Maschinenbaustudium an der Technischen Hochschule in Stuttgart zugelassen. An die Hochzeit mit seiner Frau Doris im November 1957 schloss sich 1958 ein längerer Aufenthalt in den USA an, während dem er als Entwicklungsingenieur bei der Cincinnati Milling in Wilmington arbeitete.

1961 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und Berthold Leibinger übernahm die Leitung der Konstruktionsabteilung bei Trumpf. Die Jahre in den USA waren prägend für Berthold Leibinger ebenso die Eindrücke auf späteren Geschäftsreisen nach Japan. 1964 wurde Berthold Leibinger in die Geschäftsführung und als Gesellschafter aufgenommen. Die Anteile an der Firma Trumpf erwarb er mit den Erlösen aus seinen Patenten und Lizenzen. Peu à peu übernahm er mehr und mehr Anteile an der Firma Trumpf. Seine Erfindungen wie die Aushauschere zur Schweißkantenvorbereitung, die Kopiernibbelmaschine und die Einführungen der numerischen Steuerung bei den Trumpf-Blechbearbeitungsmaschinen waren große Erfolge für die Firma.

Nach der Präsentation des ersten Lasers durch Theodore Maiman 1960 schien diese Technologie in den 1970er Jahren vor dem Durchbruch in der Materialbearbeitung zu stehen. Berthold Leibinger fand die Vorstellung faszinierend, diese Technik für die Blechbearbeitung zu nutzen und traf die wegweisende Entscheidung, auf Lasertechnologie zu setzen. Heute ist Trumpf der führende Hersteller von Lasern und Weltmarktführer bei Laserwerkzeugmaschinen. Das Unternehmen hat weltweit 13.400 Mitarbeiter und erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz in Höhe von knapp 3,6 Milliarden Euro.


Download

Download Pressemitteilung

Die Pressemeldung „Der Gründer unserer Stiftung ist verstorben“ steht Ihnen zum Download bereit:

Ihr Ansprechpartner

Bei Fragen helfe ich Ihnen

Brigitte Diefenbacher