NUR:MUT

Landesweite Förderung von sozialen Projekten: Die Initiative NUR:MUT der Berthold Leibinger Stiftung wählt erstmals drei Einrichtungen aus

Die Gewinner sind: Die Altenhilfe Reutlingen der BruderhausDiakonie, die Familienentlastenden Dienste des Behindertenzentrums Stuttgart und das Hoffnungshaus Schwäbisch Gmünd

Die Berthold Leibinger Stiftung zeichnet erstmals beim Wettbewerb der Initiative NUR:MUT drei Projekte im sozialen Bereich in Baden-Württemberg aus. Die Projektgruppen erhalten eine Prozessbegleitung durch die Agentur mehrwert und einen Etat in Höhe von 5.000 Euro für eine Hospitation bei vergleichbaren Projekten. Die Initiative NUR:MUT der Berthold Leibinger Stiftung gibt es seit 2020, sie will die Eigeninitiative der Beteiligten unterstützen und die Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fruchtbar machen.  

Die Gewinner 2021 sind: Die Altenhilfe Reutlingen der BruderhausDiakonie, die Familienentlastenden Dienste des BHZ Stuttgart und das Hoffnungshaus Schwäbisch Gmünd der Hoffnungsträger Stiftung.  

Der sechsköpfigen Jury gehören an: Professor Dr. Jürgen Armbruster von der Evangelischen Gesellschaft, Dr. Christine Dörner von der Führungsakademie Baden-Württemberg, Pfarrerin Monika Renninger vom Evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof, Philipp Schüll von der Organisations- und Prozessentwicklung bei Trumpf in Ditzingen, Jan Sellner von der Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft sowie Professor Dr. Wolfgang Stark vom Strascheg Center for Entrepreneurship München. Die Jury wählt jährlich drei Einrichtungen aus, die ein Projekt eingereicht haben, für das sie sich Unterstützung in der Umsetzung wünschen. 

Die Altenhilfe Reutlingen der BruderhausDiakonie 

Jurorin Pfarrerin Monika Renninger schildert die Situation: „Die Bruderhausdiakonie in Reutlingen beschäftigt in elf Einrichtungen Freiwillige und Auszubildende aus verschiedenen Nationen. Sie leben in Wohngemeinschaften zusammen. Der sehr unterschiedliche Hintergrund der jungen Leute erfordert eine gute interkulturelle Kommunikation und begleitende Angebote zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung. Dazu gehören u.a. Gruppenaktivitäten, Sprachkurse und Unterstützung für die Einzelnen. Sie sollen in ihrer beruflichen Ausbildung gefördert werden, damit sie diese gut abschließen und später als Pflegefachkräfte eine sichere Perspektive für sich haben. Die Berthold Leibinger Stiftung ermöglicht eine sozialpädagogische Begleitung, die auch Ehrenamtliche als Patinnen und Paten einbezieht und den jungen Menschen dabei hilft, in Deutschland und in der Arbeitswelt anzukommen.“ Marc Böhringer, Regionalleiter der Altenhilfe Reutlingen, bestätigt diese Einschätzung: „Für ausländische Pflegehelfer/innen und Auszubildende ist es oft schwierig, in unserer Gesellschaft anzukommen. Sie finden häufig keinen Anschluss und tun sich mit der deutschen Sprache und Kultur schwer. Brechen sie deshalb die Ausbildung ab und verlassen die Einrichtung, waren ihre Anstrengungen im Vorfeld – zum Beispiel beim Deutschlernen – umsonst. Wir wollen ein Konzept entwickeln, die ausländischen Auszubildenden in Seminaren, Sprachkursen und Freizeitaktivitäten sozialpädagogisch zu begleiten. Sie sollen Wege finden, auftretende Schwierigkeiten und Konflikte zu lösen. Gleichzeitig wollen wir auch bei den einheimischen Pflegekräften das Verständnis für andere Kulturen wecken, damit die jungen Menschen alle ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und danach im Berufsleben und in unserer Gesellschaft Fuß fassen.“ 

Die Familienentlastenden Dienste des Behindertenzentrums BHZ Stuttgart (FELS) 

Jurymitglied Professor Jürgen Armbruster begründet die Entscheidung so: „Die Jury war von diesem Projekt überzeugt, da es eine bedeutsame soziale Problemlage aufgreift und sich für die Entwicklung eines innovativen Ansatzes einsetzt. Das Projekt fördert den interkulturellen Austausch, die Stärkung von Peererfahrungen und ermutigt die Geflüchteten, ihre Erfahrung in pädagogische und inklusionsfördernde Prozesse einzubringen. Es stärkt Familien in ihrer Kompetenz, ihr Kind mit Behinderung in ihrem sozialen Kontext zu fördern. Auf diese Weise werden Integrations- und Inklusionsbarrieren überwunden.“ Der Familienentlastende Service des bhz Stuttgart erlebt oft, dass sich Flüchtlinge mit Behinderung außerhalb der gesellschaftlichen Wahrnehmung bewegen. Simone Benz vom FELS berichtet: „Wir wissen um die Schwierigkeit der Teilhabe für Migrantinnen, Migranten und ihre Familien, die Barrieren, die sie überwinden müssen, um Zugang zu Leistungen und Angeboten zu haben. Unser Ziel ist es, ihre Rechte zu stärken, Kompetenzen aufzugreifen und Inklusion umzusetzen. Derzeit gibt es umfänglichen Bedarf an Mitarbeitern im Bereich Inklusion, in der sozialen Arbeit und in Pflegeberufen. Es ist wichtig, ausländische Mitarbeiter hierfür zu gewinnen und mit ihnen Brücken zu bauen mit Maßnahmen und Angeboten, die diese Menschen mit Fluchthintergrund und Behinderung wirklich erreichen.“ 

Das Hoffnungshaus Schwäbisch Gmünd der Hoffnungsträger Stiftung  

Professor Dr. Wolfgang Stark legt die Gründe der Juryentscheidung dar: „In den "Hoffnungshäusern" leben geflüchtete oder sozial benachteiligte Menschen/Familien zusammen mit solchen, die mitten im Leben stehen gemeinsam unter einem Dach. Familien, Paare, Alleinstehende, Studierende und Auszubildende wohnen in einer aktiven Hausgemeinschaft, die nach innen und außen wirkt, in geförderten Mietswohnungen. An bislang acht Standorten in Baden-Württemberg unterstützt, gestaltet und plant die Stiftung Hoffnungsträger neue Formen eines integrativen Wohnens von Geflüchteten und Einheimischen. Das Zusammenwohnen wird unterstützt durch Angebote der Sprachförderung, der allgemeinen Flüchtlingshilfe und durch vor Ort wohnende Familien als Standortleiter.“

Die Jury von NUR:MUT hat sich bei ihrer Entscheidungsfindung für die Förderung des Hoffnungshauses in Schwäbisch Gmünd entschieden“, meint Professor Wolfgang Stark, „weil das Besondere an diesem Projekt – neben den oben genannten Besonderheiten integrativen Wohnens von geflüchteten und einheimischen Familien in allen Hoffnungshäusern – die Schwerpunktsetzung auf das integrative Wohnen von älteren Menschen (55+) ist, die es auf dem Wohnungsmarkt oft besonders schwer haben, eine Wohnmöglichkeit zu finden. Sie kann somit auch drohender Vereinsamung und Isolierung entgegenwirken.“ In Schwäbisch Gmünd entsteht ein interkulturelles Mehrgenerationenprojekt. Hier leben alte Menschen, Flüchtlinge sowie einheimische Familien und Singles zusammen, Integration und Einbindung werden gestärkt. Denise Schechinger, die Standortleiterin des Hoffnungshauses Schwäbisch Gmünd, erklärt: „Hier soll Integration gefördert werden, Nachbarschaftshilfe, Verantwortung und Gemeinschaft gestärkt werden. Für Integration gibt es kein Drehbuch. Aber es gibt ein Wohnkonzept, das sich bereits bewährt hat: In den Hoffnungshäusern der Hoffnungsträger Stiftung leben zur Hälfte Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, und zur Hälfte einheimische Singles und Familien. Das Besondere ist der „Hoffnungsblick“: zwei Häuser mit seniorengerechten Wohnungen für die Generation 55+. So entsteht in Schwäbisch Gmünd ein interkulturelles Mehrgenerationenwohnen – für etwa 120 Bewohner, die sich stützen und in Gemeinschaft leben.“   

Die nächste Ausschreibung für NUR:MUT beginnt am 1. Juli 2021, die Bewerbungsfrist endet am 1. November 2021. 

Weitere Informationen unter:
https://www.leibinger-stiftung...



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