Laser-Preise

Nicht in die Tonne, ab ins Archiv!

Aus der Geschichte lässt sich nur lernen, wenn etwas aufbewahrt und zugänglich ist. Längst ist auch die Lasertechnologie ein Thema für Historiker. Brinkmann-Korrespondenz im Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg.

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ wird der Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt oft zitiert. Das Zitat ist sicher über den kulturgeschichtlichen Kontext hinaus gültig, beschäftigen sich Historiker doch auch mit Fragen zu Erfolgsfaktoren von Innovationen und Unternehmen in heutiger Zeit. Auch wenn sich Technologien und Märkte ändern: eigene wie aufbereitete Erfahrungen helfen dem Wissenschaftsmanagement und Unternehmensführungen, Richtungsentscheidungen zu treffen. Bei Erfolgen wird oft das Visionäre gefeiert, aber eine Voraussetzung für Erfolg ist doch auch, die Vergangenheit zu kennen und aus Erfahrungen zu lernen.

Dem Umgang mit Informationen kommt daher nicht nur mit Blick auf den aktuellen Nutzen eine wichtige Rolle zu. Langfristig wichtig ist auch die Frage nach der richtigen Aufbewahrung dessen, was später von historischem Interesse sein wird. Zwar glauben wir, im digitalen Zeitalter sei sowieso alles irgendwo gespeichert und verfügbar, doch hat die Digitalisierung diese Herausforderungen eher wachsen lassen und keinesfalls gelöst.

Historischer Schriftwechsel von Uwe Brinkmann

Wie interessant Geschichte sein kann, stellte auch Dr. Uwe Brinkmann, langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift `Laser und Optoelektronik` beim Blick in alte Aktenordner fest. Von 1982 bis 2001 verantwortete er die Redaktion des 1969 gegründeten ersten deutschsprachigen Laser-Fachmagazins, seit 1970 herausgegeben vom AT-Fachverlag aus Fellbach bei Stuttgart. In seinen Ordnern hatte Brinkmann über zwei Jahrzehnte die Korrespondenz mit Wissenschaftlern und Firmen über Forschungsergebnisse, Produktneuheiten und Branchennachrichten aufbewahrt. Die Korrespondenz mag im Einzelfall sehr speziell und die entstandenen Artikel in vielen Bibliotheken verfügbar sein: für den Historiker Prof. Klaus Hentschel vom Historischen Institut der Universität Stuttgart ist der gesammelte Schriftverkehr dennoch ein Schatz. So finden sich darin nicht nur Belege für Zusammenhänge und den Arbeitsalltag der Redaktion einer wissenschaftlichen Zeitschrift, sondern auch konservierte persönliche Einschätzungen der damaligen Zeit.

Aufbewahren –  was und wo?

Bei Vor- und Nachlässen stellt sich oft die Frage, wohin damit. In Organisationen stellt sich zudem zwingend die Frage, was überhaupt aufbewahrt werden soll und zu welchem Zweck. Bei diesen Fragen helfen Fachgesellschaften wie die Gesellschaft für Unternehmensgeschichte und die Profis in den Archiven. So verfügen manche Unternehmen und auch die Universitäten bereits über eigene Archive. Schriftgut über das Wirtschaftsleben (für Objekte sind geeignete Museen zuständig), dazu gehört auch die Technologieentwicklung, sammeln aber auch vor allem die hierauf spezialisierten Wirtschaftsarchive, die es in zahlreichen Bundesländern gibt. Sie sammeln Werbeplakate und Kataloge, Fotos aus der Arbeitswelt, technische Zeichnungen, Bilanzen, Statistiken, Verträge und viele andere wirtschafts- und sozialgeschichtliche Quellen. Daneben beraten sie Unternehmen bei der (Ein-)Führung von Archiven oder führen Fremdarchive als Dienstleistung. Nur wenn sie heute gespeist werden, besitzen sie, nach Ablauf der Verschlusszeiten, geeignete Quellen für Historiker. Und nur dann lassen sich die entsprechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Vergangenheit ziehen.

Eine solche Quelle ist künftig die Korrespondenzsammlung von Uwe Brinkmann am Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg im Schloss Hohenheim. Auf die ursprünglich an die Berthold Leibinger Stiftung gerichtete Frage, was mit der Sammlung geschehen könne, fand das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg gemeinsam mit Klaus Hentschel eine einfache Antwort, da sich der Sitz des Verlages in Baden-Württemberg befindet. Die Stiftung Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg wurde 1980 vom Land und den Industrie- und Handelskammern gegründet und verwahrt mittlerweile rund 600 Archivbestände aus dem Wirtschaftsleben des Landes. Der nach eigenem Empfinden noch jungen Laserbranche möchte man gleichsam mitgeben, sich ihrer Geschichte bewusst zu werden und sie zu bewahren.

Virtuelles Laserarchiv

Die Fragestellung von Uwe Brinkmann zur Aufbewahrung seiner Unterlagen hatte noch weitere Folgen. Es entstand die Idee eines zentralen deutschsprachigen Laserarchivs. Mit Klaus Hentschel und Dr. Klaus Wendel vom Archiv-IT-Spezialisten archium aus Essingen erörtert die Berthold Leibinger Stiftung ein Modell für ein digitales virtuelles Archiv, das Katalogeinträge zur Lasertechnologie aus möglichst vielen Archiven (auch anderer Forscher, Firmen und Forschungsorganisationen) vereinen könnte. Dieses soll in der Zukunft Historikern und interessierten Laien verschiedene Zugänge zu Quellen und Literatur im Themengebiet Lasertechnologie erleichtern.

Bildunterschrift: Übergabe der Korrespondenzsammlung von Dr. Uwe Brinkmann an das Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg. Vlnr: Prof. Dr. Klaus Hentschel (Universität Stuttgart), Dr. Uwe Brinkmann, Sven Ederer (Berthold Leibinger Stiftung), Jutta Hanitsch (Wirtschaftsarchiv Baden-Württemberg)


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