I said, ‘Auf Wiedersehen’

85 Jahre Kindertransport nach Großbritannien

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weisses Rechteck
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85 Jahre ist es her, dass sich über 10.000 meist jüdische Kinder von ihren Familien verabschieden mussten. Es war ein Abschied, der den Kindern die Flucht vor der nationalsozialistischen Verfolgung ermöglichte. Mit dem sogenannten Kindertransport kamen sie 1938/39 nach Großbritannien und wurden in Pflegefamilien oder Gemeinschaftsunterkünften untergebracht. Eltern und Kinder hofften auf ein baldiges Wiedersehen.

I said, ´Auf Wiedersehen´

Die Initiative zur Rettung von überwiegend jüdischen Kindern und Jugendlichen vor nationalsozialistischer Verfolgung steht vom 31.01. - 23.02.24 im Mittelpunkt der Ausstellung I said, ´Auf Wiedersehen´ im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestags. Die Ausstellung präsentiert ausgewählte Briefe von fünf jüdischen Familien – fünf Dokumente werden im Original gezeigt. Jedes Dokument vermittelt einen Aspekt der schmerzhaften Trennung von Eltern und Kindern. Die Briefe geben Einblick in die ambivalenten Emotionen der im NS-Staat zurückgebliebenen Eltern, die zwischen der Hoffnung auf ein Wiedersehen und der Sorge vor permanenter Trennung schwanken.

© Courtesy of Raymond Gilbert

Abschied: Ursula Brann

Ursula Brann kam 1939 mit dem Kindertransport nach England. In einem autobiographischen Interview (2007) liest sie aus einem Gebetbuch zehn Leitsätze ihres Vaters Ferdinand vor. Dieses bekam sie beim Abschied von ihm geschenkt. Nach ihrem Tod ging das Buch verloren. Ursulas Eltern und ihre Schwester blieben bis 1943 in Berlin und wurden schließlich nach Auschwitz deportiert und ermordet. Ursula blieb ihr Leben lang in London. Sie starb 2015.

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© AJR Refugee Voices Archive/Association of Jewish Refugees
© The Wiener Holocaust Library Collections

Neues Zuhause: Ilse Majer

Ilse Majer wurde als Zehnjährige 1939 mit einem Kindertransport von Wien nach England geschickt. Der Briefwechsel zwischen Ilses Eltern Berthold und Lilly Majer und den Pflegeeltern gibt einen Einblick in Ilses neue Welt: Freundschaften, Sprache, intellektuelle Entwicklung.

Im Juni 1942 wurden Ilses Eltern ins Ghetto Izbica nach Polen deportiert und später ermordet. Ilse blieb in England, bis sie 2003 starb.

© Yad Vashem, mit freundlicher Genehmigung von Henry Foner

Entfremdung: Heinz Lichtwitz

Im Februar 1939 entkam Heinz Lichtwitz im Alter von sechs Jahren mit einem Kindertransport nach Wales. Heinz nahm den Namen Henry Foner an und verlernte seine Muttersprache innerhalb weniger Monate fast vollständig. Aus den Karten spricht die Liebe seines Vaters, aber auch die Sorge vor der Entfremdung seines Sohns. ‍

Max Lichtwitz wurde im Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Henry Foner ist heute 90 Jahre alt und lebt in Jerusalem.

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© The Wiener Holocaust Library Collections

Sehnsucht: Gerda Stein

Gerda Stein gelangte im März 1939 mit einem Kindertransport nach England. Sie lebte dort bei Trevor Chadwick, der ihren Transport mitorganisierte und viele weitere Kinder aus der Tschechoslowakei rettete. Vater Arnold schickte seiner Tochter mit Zeichnungen versehene Briefe, Gerdas Mutter Erna schrieb ihr Gedichte: Zeichen des verzweifelten Bemühen, ihrem Kind Mut zu machen.

Beide Eltern überlebten den Holocaust nicht. Gerda starb 2021 als anerkannte Dichterin.

© Courtesy of private archive of Ann Kirk/ Association of Jewish Refugees

Ungewissheit: Hannah Kuhn

Die 1928 geborene Hannah Kuhn floh im April 1939 mit einem Kindertransport von Berlin nach England. Hannahs Eltern Herta und Franz Kuhn waren erst mittels Briefen, später über Telegramme des Deutschen Roten Kreuzes im Austausch mit ihrer Tochter und deren Pflegemüttern.

Beide Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Hannah Kuhn heißt heute Ann Kirk und lebt in London. In Vorbereitung auf diese Ausstellung haben wir Ann in London besucht.

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Die Ausstellung der Berthold Leibinger Stiftung wird kuratiert von Ruth Ur und entstand in Zusammenarbeit mit dem Freundeskreis Yad Vashem e.V., der Internationalen Holocaust Gedenkstätte Yad Vashem, der Wiener Holocaust Library, der Association of Jewish Refugees und dem Deutschen Bundestag.

Unter der Schirmherrschaft von

Jill Gallard CMG CVO, Botschafterin des Vereinigten Königreichs in Deutschland

Miguel Berger, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland im Vereinigten Königreich

Wann, wie, wo?

Wann

Die Ausstellung wird vom 31. Januar bis zum 23. Februar 2024 in der Halle des Paul-Löbe-Hauses gezeigt. Sie kann montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr besucht werden. Donnerstags ist die Ausstellung von 9 bis 19 Uhr geöffnet.

Besuch

Für den Besuch der Ausstellung ist spätestens zwei Werktage vor dem gewünschten Besuchstermin eine Anmeldung per E-Mail an ausstellungen(at)bundestag.de oder über die Website des Bundestags notwendig.

Aus organisatorischen Gründen ist ein Besuchsbeginn jeweils nur zur vollen Stunde möglich. Spätester Besuchsbeginn ist jeweils 17 Uhr und am Donnerstag jeweils 18 Uhr.

Wo

Die Ausstellung ist über den Westeingang des Paul-Löbe-Hauses, Konrad-Adenauer-Str. 1, 10557 Berlin zugänglich. Bitte finden Sie sich 15 Minuten vor dem Besuchstermin beim Personal der Westpforte ein, damit ausreichend Zeit für die Einlasskontrolle besteht.

Führungen

Dienstags 11 Uhr

Mittwochs 11 Uhr und 15 Uhr

Donnerstags 18 Uhr

Zu den Führungen können Sie sich mit dem Anmeldeformular unter Angabe der Uhrzeit der gewünschten Führung anmelden.